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BegriffBearbeiten

Als Erweiterung des Begriffes Kontingenz ist doppelte Kontingenz "vielmehr konstitutive und auf Dauer gestellte wechselseitige Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit der Beziehungen zwischen Sinnsystemen. Sie steht für die Universalität kontingent-selektiver Möglichkeiten des Erlebens und Handels, kurz von Sinn."[1]

Als Funktion und Konstitution sozialer SystemeBearbeiten

"Soziale Systeme entstehen jedoch dadurch (und nur dadurch), daß beide Partner doppelte Kontingenz erfahren und daß die Unbestimmbarkeit einer solchen Situation für beide Partner jeder Aktivität, die dann stattfindet, strukturbildende Bedeutung gibt."[2]

"In sozialen Systemen trägt jeder Teilnehmer der Tatsache Rechnung, daß andere auch anders handeln können. Jeder kann sein Verhalten also erst festlegen, wenn er weiß, wie andere ihr Verhalten festlegen; aber das Umgekehrte gilt ebenso."[3]

"Der Begriff bezeichnet eine Eigenart des Systems selbst, und zwar den Umstand, daß die Mehrstelligkeit der Selektionen mit Hilfe der Zeitdifferenz von Vorher und Nachher bei den einzelnen selektiven Selbstfestlegungen des Systems berücksichtigt wird."[4]

"Wenn ein System sich dem Regime doppelter Kontingenz unterstellt, heißt das, daß es im Modus selbsterzeugter Unbestimmtheit und entsprechender Unsicherheit operiert. Es gibt sich, anders gesagt, eine Zukunft."[5]

Bezug zur System/Umwelt DifferenzBearbeiten

"Insofern produziert ein über doppelte Kontingenz zustandegebrachtes, sich selbst steuerndes Selektionsgeschehen zwar einen Begriff von sich selbst als systemintern; aber genau dies verweist auch auf einer Orientierung an seiner Umwelt. Umwelt ist dann jeweils das, was nicht über die je aktuelle doppelte Kontingenz den Selektionsprozess bestimmt, wohl aber für ihn Thema und Motiv werden kann. Wo doppelte Kontingenz die selektiven Akkordierungen überdeterminiert, beruht daher der Selektionsprozeß immer auch auf die Differenz von Systemen und Umwelt."[6]

Vertrauen und MißtrauenBearbeiten

"Eine der wichtigsten Folgen doppelter Kontingenz ist die Entstehung von Vertrauen und Mißtrauen. Sie tritt auf, wenn sich das Sich-Einlassen auf Situationen mit doppelter Kontingenz als besonders riskant empfunden wird. Der andere kann anders handeln, als ich erwarte; und er kann, gerade wenn und gerade weil er weiß, was ich erwarte, anders handeln als ich erwarte."[7]

QuellenBearbeiten

  1. Krause, Detlef: Luhmann-Lexikon. 4.Aufl., Lucius & Lucius, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8282-0305-1, S.139
  2. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3-518-28266-2, S.154
  3. Luhmann, Niklas: Das Erziehungssystem der Gesellschaft. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3-518-29193-9, S.31
  4. Ebd., S.32
  5. Ebd., S.33
  6. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3-518-28266-2, S.189f
  7. Ebd., S.179

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