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Quelle: Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 2002 (Erste Auflage; stw 1593)

Kapitel 3: Medium und FormBearbeiten

AusgangsabgrenzungBearbeiten

„Wenn man individuelle Menschen als Konglomerat autopoietischer, eigendynamischer, nichttrivialer Systeme begreift, gibt es keinen Anlaß zu der Vermutung, man könne sie erziehen.“ (S.82)

Theorieangebot der Medium/Form-Unterscheidung:
„Die Antwort suchen wir mit Hilfe der Unterscheidung von Medium und Form. Diese Unterscheidung hat zunächst den Vorteil, daß sie von Zeit abstrahiert und damit das Problem des ,noch nicht‘ löst. Medien und Formen werden immer miteinander, also gleichzeitig reproduziert.“ (S.83)


Aspekt des Gedächtnisses in puncto KondensationBearbeiten


„Das erklärt nicht zuletzt, daß man einen Rücklick auf vergangene Formbildungen, also Gedächtnis braucht, um zu erklären, wie man Medien zu Formen kondensieren kann.“ (ebd.)


Aspekt von Unbestimmtheit/BestimmtheitBearbeiten


„Sie ist, anders gesagt, selber eine Form im allgemeinen Medium von Sinn, mit der die Gesellschaft es möglich macht, Bestimmtheit (Form) und Unbestimmtheit (Medium) zu reproduzieren und dabei selbstgeschaffene Ungewißheit auszuhalten.“ (ebd.)


Sprachbeispiel folgt (Sprache als Verquickung von Wörtern und Grammatik)



„Die Worte sind aber nicht die Formen des Mediums, sondern sind seine Elemente, die im Gebrauch des Mediums als nicht weiter auflösbare Komponenten vorausgesetzt werden. Zur Formbildung kommt es erst, wenn Sätze gebildet werden, denn nur Sätze artikulieren Kommunikation.“ (ebd.) [...]

„Vielmehr wird Sprache unmittelbar als Einheit der Differenz von Medium und Form gelernt. Man versucht die Bildung von Formen (Sätzen, äquivalenten Ausrufen) und erweitert, wenn kommunikativ erfolgreich, allmählich das verfügbare Repertoire. Auf diese Weise entsteht als Fähigkeit des selektiven, situationsangepaßten Umgangs mit dem Medium.“ (S. 84)



Kritik und Abgrenzung an Struktur/Prozess und Struktur/Ereignis

„Die Unterscheidung Medium/Form gehört zu einer Theorie dynamischer Systeme, die von den Operationen ausgeht, die das System in seiner Operationsfähigkeit reproduzieren.“ (ebd.)


Abgrenzung zu mathematischen Lösungsmodellen aufgrund von Komplexität

„Die Normalform des Umgangs mit diesem Problem scheint in der Unterscheidung von Vergangenheit und Zukunft zu bestehen. Die Gegenwart, in der das System sein Medium auf Formen bringen muß, ist dann beides, nämlich Resultat einer unabänderlichen Vergangenheit und eine Ausgangslage, die kontingente Selektionen (rationale und weniger rationale, gute und schlechte, richtige und falsche) ermöglicht.“ (ebd.)


Neue Medien, neue Formen in puncto sozio-evolutionärer Innovation (unter dem Aspekt von Kontingenz)

„Bedeutende Differenzierungsschübe in der soziokulturellen Evolution scheinen mit der Einführung neuer Medien für neue Formbildungen zusammenzuhängen.“ (S.85)



Konstitution des Mediums (Formgebung):

"Es geht [...] um einen Zusammenhang von evolutionären "Katastrophen", Ausdifferenzierungen von Systemen und der Entwicklung eines Mediums, das die Formenbildung zugleich ermöglicht und begrenzt und sie auf Selbstorganisation und eigene rekursive Sinngebung verweist." (S.86)


Medium des Pädagogen:

"Das Kind ist deshalb für die Pädagogik, solange sie ihre Aufgaben an Heranwachsenden und an Schulen orientiert, das Medium der Erziehung.[...]Es geht um konkrete Kinder." (S.89f.)

Man beachte!:

"All diese Überlegungen ändern nichts daran, daß das Medium Kind eine Konstruktion ist, die erst im praktischen Vollzug des Erziehens benötigt und als Hintergrundgewissheit vorgesehen wird."(S. 91)

"[...]die Unterscheidung Medium/Form entsteht im kontinuierlichen Testen dessen, was an Erziehung gelingt und was nicht." (Ebd.)


Das Medium Lebenslauf

"Ein Lebenslauf ist eine Verkettung von nicht selbstverständlichen, kontingenten Ereignissen, die am Individuum aufgefädelt werden können."(S.94)

"Alles, was dem Lebenslauf Form gibt, ist durch ihn selbst (zumindest: durch die Geburt) konditioniert und wirkt zugleich als Bedingung für das, was daraufhin geschehen kann."(ebd.)

Wissen als Form des Lebenslaufs

"An früherer Stelle hatten wir bereits bemerkt, daß wir das, was die Erziehung produziert, als Wissen bezeichnen wollen." UND "Jetzt können wir ergänzend hinzufügen, daß Wissen die Form ist, die im Medium Lebenslauf dieses Medium reproduziert."(S.97)


Begriff des Wissens

"Wissen ist immer ein sozial validiertes Verhältnis von Organismus bzw. psychischem System und Umwelt." (S.98)

"Für das Erziehungssystem ist Wissen immer individuelles Wissen und in diesem Sinne eine Form, die dem Lebenslauf Chancen gibt oder, wenn sie fehlt, Chancen verbaut."(ebd.)


Redundanz & Variation als Absicht der Erziehung

"Einerseits kann man auf der Seite des Wissens Sicherheit finden. Das Wissen garantiert wiederholte Verwendbarkeit, also Redundanz. Andererseits,[...] ermöglicht es auch das Erkennen von Variationen, Neuheiten, Überraschungen.

So gesehen ist die Absicht der Erziehung auf Steigerung von Redundanz und Varietät gerichtet." (S.99)


Erziehung und Funktion

"Erziehung kann nur mit der Differenz von Medium und Form arbeiten." (S.101)

und dies mithin: "[...]als Bereitstellung von Wissen, das es ermöglicht, sich auf eine bestimmte Verhaltensanforderungen einzulassen mit einer ausreichenden Sicherheit; jeweils die Informationen gewinnen zu können, die für das Verhalten in bestimmten Situationen sinnvoll sind." (ebd.)

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